Mittwoch, 14. Mai 2008

Hillaryland

Von einigen Flecken der USA werden doch immer wieder ernüchternde Signale gegeben. Annäherungsweise ein Viertel der Clinton-Wähler in West Virginia hat "Rasse" als einen für die Wahlentscheidung ausschlaggebenden Faktor genannt. Ein Viertel! Mehr als in Indiana oder Pennsylvania. Dieses Viertel beschränkt sich freilich auf die bei einer Befragung Offenen und Ehrlichen.

Das Ergebnis von gestern führt erneut vor Augen, wie die Propaganda funktioniert: Auf dem Niveau eines Stefan Herre den Kandidaten Barack Obama nie ohne Nennung seines zweiten Vornamens als Islamisten, Terroristen, verkappten Kommunisten und anti-weißen Rassisten vorzustellen, zieht auch und vielleicht gerade bei den durchschnittlichen Anhängern der Demokratischen Partei.
Während die Presse in Deutschland es den amerikanschen Kollegen gleichtut und sich von den Vorwahlen in West Virginia unbeeindruckt zeigt, indem sie der Nachricht allenfalls sekundäre Bedeutung zubilligt und in keiner Schlagzeile die denkbar knappen Chancen Clintons auf die Nominierung unerwähnt lässt, zerbrechen sich pikanterweise Blogger wie Florian Heinhold den Kopf darüber, was alles passieren könnte, das doch noch zu einem Erfolg der Kandidatin führte. Sie sei ganz klar der Stärkste in diesem Rennen, beschränke sich außerdem darauf, ebendies deutlich zu machen, und nicht etwa noch auf Obama einzuschießen. Hillaryland, das sind wahrhaftig nicht nur irgendwelche alt gewordenen Feministinnen.

Wobei auch ich, wenigstens einmal kann ich ja hier etwas Positives über Hillary Clinton sagen, Durchhaltevermögen und Kampfeswillen dieser Frau bewundere.

Daß Obama im Unterschied zu Clinton West Virginia nicht gegen McCain gewinnen kann, ist klar. Aber was heißt das schon im Hinblick auf den 4. November? Obama wird auch Florida nicht gewinnen und es in Ohio auf jeden Fall schwer haben, aber die absoluten Zahlen für Obama in sämtlichen red states haben seit Jahresbeginn gezeigt: Mancher Staat ist GOP keineswegs mehr sicher. Im Übrigen lässt sich beispielsweise an dem gestrigen Sieg des Demokraten Travis Childers in Mississippi in einem ur-republikanischen Wahlbezirk ablesen: Der Boden der GOP erodiert.

Es wäre zweifelsohne ein Fehler, Clinton als Vizepräsidentschaftskandidatin ins Boot zu holen, wie Dick Morris treffend ausführt. Damit würde Obama den ihm zugefügten Schaden verewigen.

Mir fällt es unter den gegebenen Umständen schwer, gegen Obama Stellung zu beziehen.

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