Sonntag, 18. Mai 2008

George W. Bush vor der Knesset

Erstaunlicherweise haben nur wenige ernstzunehmende, translantische und israelsolidarische deutsche Blogger, soweit ich bisher es bisher verfolgen konnte, die Rede von US-Präsident Bush vor der Knesset vom letzten Donnerstag überhaupt erwähnt, und diejenigen, die auf sie verwiesen, haben sie recht unkritisch beurteilt und einfach ein paar Reaktionen beschrieben.

Ich habe bis heute die Bemühungen des Präsidenten, ohne auf seine Popularität Rücksicht zu nehmen, seine Überzeugungen in der internationalen Politik durchzusetzen, die USA zu beschützen und westliche Werte zu verteidigen, immer geschätzt. Er ist jemand, bei dem ich heute weiß, daß er auch morgen und übermorgen noch für seine Prinzipien einstehen wird. Bei allen schweren Fehlern, die gemacht wurden, und bei all den Schäden, die die US-amerikanische Demokratie aufgrund unverzeihlich fahrlässigen Handelns und Nicht-Handelns der US-Regierung genommen hat, danke ich ihm immernoch die Geradlinigkeit, die er auch in dieser Rede im Großen und Ganzen beweist.

Zu den Appeasement-Vorwürfen, die sich offensichtlich in erster Linie gegen Barack Obama richteten:

Some seem to believe that we should negotiate with the terrorists and
radicals, as if some ingenious argument will persuade them they have been wrong
all along. We have heard this foolish delusion before. As Nazi tanks crossed
into Poland in 1939, an American senator declared: "Lord, if I could only have
talked to Hitler, all this might have been avoided." We have an obligation to
call this what it is -- the false comfort of appeasement, which has been
repeatedly discredited by history.

Dies ausgerechnet in Israel zu sagen, ist fehl am Platze. Obama wird und würde gegenüber dem Iran kein Appeaser sein, das weiß Bush. Vielmehr geht es Obama darum, mit seinem Gegenkandidaten McCain eine offene Debatte über eine Vielzahl von möglichen Methoden einer Iran-Politik zu führen. Israels Schutz wird auch unter einer Präsidentschaft von Obama hundertprozentig garantiert sein. Aber ganz abgesehen hiervon: Ist es nicht Bush, der das Problem Iran recht ungerührt seiner Nachfolgeregierung überlässt? Der den Iran die längste Zeit seiner zwei Amtsperioden schlicht vergessen (verdrängt) hatte?

Kommentare:

Nichtidentisches hat gesagt…

Hmmm...also wenn ich mir Hillary Clintons Plan A für Iran ansehe, wird mir doch eher etwas gruselig zumute. Ich finde es überhaupt nicht sichergestellt, dass eine demokratische oder auch republikanische Regierung Iran angeht. Wenngleich ich Obamas Versicherungen noch mehr traue als Clintons Planspielen.

Mark P. Haverkamp hat gesagt…

Das Thema Clinton hat sich ja glücklicherweise bald erledigt.

 
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