Dienstag, 22. Juli 2008

Recht haben und der Irak

Seit dem Wochenende wird eine Debatte darüber geführt, was Maliki nun gesagt und was er bestritten hat. Die Tonbandaufnahmen des Spiegel-Interviews, deren Skript die New York Times veröffentlicht hat, bestätigen die Version des Spiegel. Kurzzeitig ist daher Der Spiegel zum internationalen Lieblingsmagazin der US-amerikanischen Liberals geworden.

Wie Marc Ambinder gestern feststellte, ist inzwischen Konsens, dass Barack Obama Recht gehabt habe in Bezug auf die Invasion im Irak selbst, John McCain dagegen Recht gehabt habe in Bezug auf die neue Strategie und die Truppenverstärkung seit Februar 2007 ("the Surge"). die Frage sei, welcher der beiden Standpunkte der ausschlaggebende sei. Sind beide überhaupt miteinander zu vereinbaren?

Die irakische Regierung will, dass die Truppen rascher das Land verließen, als John McCain es vorsieht. Das US-Militär möchte die Truppen nicht so schnell abziehen lassen, wie Obama es will. Wer sticht wen aus?

McCain hatte und hat selbstverständlich auch in Bezug auf die Frage der Invasion Recht, aber das wird im weiteren Verlauf des Wahlkampfes nicht mehr zu vermitteln sein. Es sind ohnehin Fragen der Vergangenheit. Entscheidend ist wohl, dass weder McCain noch Obama dauerhaft im Irak zu bleiben beabsichtigen. Und wer weiß, wie sich die Situation im Januar 2009 entwickelt haben wird? Die Differenz zwischen beiden, sollte sich die Situation noch weiter stabilisieren, wird letzten Endes wirklich minimal sein.

Kommentare:

Nichtidentisches hat gesagt…

Hi,

es ist ziemlich offensichtlich, dass die Forderungen nach einem raschen Truppenabzug von Maliki nur vorgeschützt sind: Er muss den Antiamerikanismus aus Imagegründen pflegen, u.a. um die Europäer bei der Stange zu halten. Die würden ihn grillen, wenn er sagt: Toll, bleibt noch ein wenig, gute Sache war das, nehmt euch nen Keks.
Von daher bringt Obamas Plan auch Maliki eher in die Bredoullie: Wie soll er jetzt sein Profil schärfen und gleichzeitig die fragilen Fortschritte in der Sicherheit wahren?
Wahrscheinlich würde es mit Obama darauf hinauslaufen, Truppen abzuziehen und noch mehr private Söldner einzustellen.

Batman hat gesagt…

Hey, du führst ja immer noch versumpfte Gedankengespräche :D
Soso... du,"die" und der Spiegel. Derletzt mal wieder reingeschaut und die selbstüberzogene Borniertheit wiedergesehen?!
Willkommen in der Sekte des Sumpfes 2.0 - oder "Gehirnfasten" in der politischen Nische.

"'Amerikaner lieben es, über sich selbst zu reden. Je weniger sie wissen, desto mehr wollen sie diskutieren', lästert Layne: eine Tradition, die in den seit Jahrzehnten populären Radio-Talkshows mit ihren oft ausufernden Zuschauerdiskussionen begründet ist. Jetzt wird derlei eben im Netz fortgesetzt. Bei vielen Blogs werden Themen oft nur kurz angerissen, und schon füllen sich in Windeseile die Kommentarspalten. 'Lautes, idiotisches Geschrei', sagt Layne darüber."

Nur in Deutschland nicht so sehr, da gibts wohl die so beschriebenen Blog-Muffel. Die Zeiten des Blockwarts haben wir ja auch verarbeitet und uns m.M.n. recht passabel entwickelt.

Zwischen Running Gag und Islamophobie - "Solcher Schlamm vermiest der Blogger-Szene den Ruf gründlich."

Apropo Schlamm, es ist wohl vergleichsweise unwichtig wann genau wieviel Soldaten den Abzug beginnen.
Selbstverständlich hast du (u.v.a.) auch in Bezug auf die Frage der Invasion immer noch Unrecht, die mantraartige Wiederholung der stets gleichen selektiven Fehldeutungen und ideologischen Unwahrheiten fügt den Inhalten eben leider keine essentielle Aussagekraft hinzu.

Was immer wieder für offensichtlich angesehen wird und was tatsächlich der Realität entspricht hat sich noch sehr oft dramatisch unterschieden.
Ziemlich offensichtlich war eines Tages auch mal eine Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen.

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,567038,00.html


Hierzulande ist man ja wirklich glücklicherweise auf derlei verrissene Blog-BILDer kaum angewiesen.


Trotzdem Gruß,
Bruce :-)

Mark P. Haverkamp hat gesagt…

@nichtidentisches
Maliki ist wahrlich in keiner beneidenswerten Position. Er muss nicht nur die Europäer bei Stange halten, sondern ist eben auch auf verschiedene Fraktionen in seinem Land wie bei seinen Nachbarn angewiesen, um an der Macht zu bleiben und die Regierung einigermaßen stabil zu halten. Insofern ist dein Einwand natürlich berechtigt.

 
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