Dienstag, 28. Dezember 2010

Vorhersagen für 2011

1. Politiker fordern eine "offene und ehrliche Diskussion" über Hartz IV.

2. Der Euro-Rettungsschirm wird erweitert und in der Financial Times Deutschland sieht Wolfgang Münchau das Ende des Euro gekommen.

3. FDP-Politiker Frank Schäffler klagt über "Inflation".

4. Stefan Mappus bleibt Ministerpräsident von Baden-Württemberg und wertet seinen knappen Sieg bei der Landtagswahl als "deutliches Signal des Wählers für Stuttgart 21."

5. Der BVB vergeigt die Meisterschaft, Bayern München holt den Titel.

6. Bundespräsident Christian Wulff ruft auf dem Evangelischen Kirchentag in Dresden zu Toleranz und Respekt auf.

7. Scientologen erhalten in Deutschland ein allgemeines Berufsverbot.

8. Eine Historiker-Kommission kommt in einer Studie zu der Erkenntnis, daß Nazis in der alten Bundesrepublik Karriere machten.

9. Jopi Heesters feiert seinen 108. Geburtstag.

10. Im Dezember kommt es zu einem plötzlichen "Wintereinbruch", auf den die Deutsche Bahn nicht vorbereitet war.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Frohe Weihnachten

Zeit des Innehaltens und An-einander-Denkens. Zeit der Ruhe und Besinnung. Eine Gelegenheit, sich bei anderen in Erinnerung zu rufen. Eine Gelegenheit aber auch, eine Ahnung vom Glück zu behalten.

Zeit, um offline zu gehen. Ich wünsche frohe Weihnachten!

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Zielen auf den Nullpunkt



Drei Zustände sind der Schlüssel zum Erlebnis: der Rausch, der Schlaf und der Tod


-Ernst Jünger

In nichts waren die Zeitgenossen Martin Heidegger, Carl Schmitt und Ernst Jünger wohl so nah beieinander wie in ihrer Verehrung des Todes. Dabei haben sich all diese drei Vertreter der Deutschen Ideologie sehr lange Zeit für das Sterben gelassen. Beides steht nicht unbedingt im Widerspruch zueinander. Ernst Jüngers fast 103 Jahre langes Leben war ein einziges Wirken, das darauf gerichtet war, auf den Nullpunkt zu zielen, immer wieder aufs Neue Zeuge des Todes zu werden, Zuschauer des Sterbens, selbst Verwandler von Lebendigem in Totes zu sein. Dies zeigt die Ernst-Jünger-Ausstellung in Marbach (Neckar).


Da gelangt der Besucher die Treppe hinunter und stößt zunächst auf einen bunten Schirm, eins der Modelle, mit denen Jünger auf Käferjagd ging. Von diesem Mordinstrument in die entsprechende Stimmung versetzt, geht es weiter in dunkle Räume. Auf dem Boden liegt Jüngers Helm aus dem Ersten Weltkrieg, der ihm das Leben rettete, daneben Jüngers Tagebuchnotiz von 1917: "Ich schaute nach, ob das Gehirn noch intakt war. Zum Glück nur Blut."

Die Ausstellung versammelt handschriftliche und typografische Manuskripte Jüngers, beginnend bei seiner Schulzeit zu Anfang des 20. Jahrhunderts bis kurz vor seinem Tode 1998. Hauptanliegen der Ausstellungsmacher ist es, Jünger als unermüdlichen Produzenten und Textver- und bearbeiter vorzustellen. Das gelingt ihnen. Der Zeuge verschiedener Epochen arbeitete seine Manuskripte immer wieder neu durch, schmückte seine Notizen mit Käfern und Zeichnungen, bemalte Worte und Sentenzen bis zur Unkenntlichkeit, änderte die Formate und fügte verschiedene Texte zusammen. Er war eben ein kalter und penibler "Arbeiter", dem noch die Feder zur mörderischen Waffe geriet. Die Schau ist in zehn thematische Punkte gegliedert, darunter "Am Nullpunkt", "Letzte Worte", "Totale Tinte", Blüten und Reime" oder "Positivistische Etappe."

Die Sehnsucht nach "letzten Worte." Auf einer Karteikarte zum bayerischen Komiker Karl Valentin schrieb er das Zitat: "Ich wußte nicht, wie schön Sterben sein kann."


Gesammelt hat er nicht nur tote Käfer. Urlaubsbilder und Souvenirs häufte der wohl am meisten und weitesten gereiste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts ebenso an wie unzählige Muscheln, Schmuck und unzählige Kalendernotizen. Ferner finden sich Bücher, die Jünger "in tiefer Verehrung" von so unterschiedlichen Figuren wie Ulla Hahn, Friedrich Dürrenmatt oder Joseph Kardinal Ratzinger in den 1990er Jahren gewidmet wurden. Briefe hängen an der Wand, darunter ein Brief von Jünger an den Nazi Werner Best aus dem Jahr 1973, von Rudolf Hess aus dem Jahr 1926 (es geht um die Vereinbarung eines Treffens mit Hitler, das später dann kurzfristig abgesagt worden war), von und an Armin Mohler aus dem Jahr 1968.

Ich war von der Ausstellung nach anderthalbstündigem Aufenthalt derart eingenommen, daß ich auf einen Besuch im Schiller-Nationalmuseum verzichten musste. Stattdessen gönnte ich mir ein Mittagessen in der Marbacher Glocke (Prädikat: sehr empfehlenswert).


Die Ausstellung "Ernst Jünger. Arbeiter am Abgrund" ist noch bis zum 27. März 2011 im Literaturmuseum der Moderne zu sehen.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Mittelalter in Mannheim



Allgemein bekannt sein dürfte ja, daß die Rhein-Neckar-Region eine der wirtschaftlich stärksten Gegenden der Republik ist. Daß das Gebiet um Rhein und Neckar (und, zugegeben, auch den Main) aber neben der Lombardei und Sizilien zu den Hochinnovativregionen des mittelalterlichen Europa zählte, ist vielleich auch doch nicht jedem wirklich bewußt. Ich lebe in Mannheim, der Hauptstadt dieser Metropolregion, und besuchte gestern gemeinsam mit meiner Mutter im dunklen Zeughaus eine Schau, die einem mit Macht die kulturelle Blüte jener Zeit vor Augen führt.

Die Ausstellung "Die Staufer und Italien", auf deren Eröffnung im September Ministerpräsident Stefan Mappus fehlte, ist der Höhepunkt einer von Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg gemeinsam getragenen Kampagne zum Staufer-Jahr. Es handelt sich um das erste kulturelle Großereignis zu diesem Thema seit der legendären Stuttgarter Staufer-Ausstellung im Jahre 1977. Auf drei Ebenen zeigen die Aussteller 530 Exponate, von denen 70 % bisher nicht zu sehen waren.

Besonders beeindruckend fand ich die zahlreichen Büsten. Ich weiß gar nicht mal, ob ich allgemein im Vergleich zur Malerei ein größerer Fan der Bildhauerkunst bin. Aber vor diesen Skulturen mit antiken Elementen verblieb ich erstmal eine ganze Weile. Doch der Reihe nach. Im Erdgeschoß wird der Besucher durch thematisch Bekanntes in die Epoche langsam eingeführt. Die Könige jener Zeit finden sich nebeneinander porträtiert. Auch findet sich hier der als Reliquie verehrte Zahn Barbarossas. Das Ganze ist sehr stimmungsvoll inszeniert. Hier und da dürfte der Besucher allerdings mit der Reihenfolge Probleme bekommen, da die Ausschilderung besser sein könnte.

Das konkrete Wirken der Staufer in den 3 genannten Regionen findet sich im 1. Stock systematisch dokumentiert. Die filmischen Überlandaufsichten des Herrschaftsgebietes der Staufer schlagen aufs Gemüt. Im 2. Stock fiel ich dann leider noch meiner Vogelphobie zum Opfer. Ausgestopftes Fledervieh liegt hier auf Tischen rum. Auf dieser (dritten) Ebene findet sich das höfische Leben, die Wechselbeziehungen abendländischer und orientalischer Kultur sowie die Etablierung der Wissenschaft vorgeführt.

Noch bis zum 20. Februar 2011 ist die Ausstellung zu sehen. Auch an Montagen können Besucher die Schau zu Gesicht bekommen. Ein Muß!

Ich schließe mit Friedrich Rückert, der sich an den großen Friedrich Barbarossa Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Deutschen verzweifelt um die nationale Einheit rangen, erinnerte:


Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friedrich,
Im unterird'schen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat im Schloß verborgen
Zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinab genommen
Des Reiches Herrlichkeit
Und wird einst wiederkommen
Mir ihr zu seiner Zeit.

Freitag, 3. Dezember 2010

Assange das Fürchten lehren

Stärke demonstrieren, ist angesagt. Es wäre jedenfalls schön, wenn die Supermacht wieder zeigen würde, wer der Herr im Haus ist. Und zum Beispiel einen Herrn Assange in seine Schranken verwiese. So stellt sich Mäxchen den Krieg vor:

Charles Krauthammer geißelt in seiner neuen Kolumne die Hilf- und Tatenlosigkeit der Obama-Regierung in ihrer Antwort auf WikiLeaks.

What's appalling is the helplessness of a superpower that not only cannot protect its own secrets but shows the world that if you violate its secrets - massively, wantonly and maliciously - there are no consequences.

Erschreckend ist die Hilflosigkeit einer Supermacht, die nicht nur ihre Geheimnisse nicht beschützen kann, aber der Welt auch noch vor Augen führt, daß es keine Konsequenzen hat, wenn einer - massiv, mut- und böswillig - ihre Geheimnisse bricht.

Die Angelegenheit runterzuspielen, sei armselig. Vielmehr komme es nun endlich darauf an, Härte zu zeigen:

It's time to show a little steel.

Heh? Hart durchgreifen bitte. Die Veröffentlichung von US-Geheiminformationen erfordere neue Gesetze zur Spionageabwehr. Wo das Jusitzministerium sei, fragt Krauthammer. Und wo die mit 80 Mio US$ jährlich finanzierten Geheimdienste? Da läuft dieser Assange irgendwo frei rum und macht einen auf dicke Hose. Warum eigentlich?

Assange has gone missing. Well, he's no cave-dwelling jihadi ascetic. Find him. Start with every five-star hotel in England and work your way down.

Yeah, you go baby!

Let the world see a man who can't sleep in the same bed on consecutive nights, who fears the long arm of American justice. I'm not advocating that we bring out of retirement the KGB proxy who, on a London street, killed a Bulgarian dissident with a poisoned umbrella tip. But it would be nice if people like Assange were made to worry every time they go out in the rain.

Möge die Welt einen Mann sehen, der in zwei aufeinander folgenden Nächten nicht im selben Bett schlafen kann. Der den langen Arm der Amerikanischen Justiz fürchtet. Ich will nicht den KGB-Mann aus dem Ruhestand holen, der auf einer Londoner Straße einen bulgarischen Dissidenten mit einem vergifteten Regenschirm tötete. Aber es wäre schön, wenn Leute wie Assange auf der Hut sein müßten, wann immer sie nach draußen in den Regen gehen.

So in etwa stellen sich, seit ich etwas denken kann, meine Altersgenossen hier in Deutschland "die Amis" vor.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Kritik des Antizionismus - ein Leserbrief und seine Begleiterscheinungen

In KONKRET 11/2010 kommentiert Philipp Schmidt die Stellungnahmen des SPD-Bundesvorsitzenden in der Causa Thilo Sarrazin: "Seit an Seit schreiten die Genossen dorthin, wo es manchmal riecht - meistens jedoch aufs Erbärmlichste stinkt." Auf der nächsten Seite bewirbt Promedia ein Buch mit dem folgenden Text: "Längst schon ist die lustvoll heteronome Verwendung von 'Antisemitismus' als Parole im vermeintlichen Kampf gegen Antisemitismus in 'eine fürchterliche Epidemie wie die Cholera'umgeschlagen. Ob man diese Epidemie heilen kann, wird sich erst erweisen müssen. Zu offensichtlich kommen gerade die zu Schaden, welche die Träger der anti-antisemitischen Farce meinen, 'beschützen' zu sollen." Daß es die Kritiker des Antizionismus seien, die den Zorn der Antisemiten auf die Juden lenken, hört und liest man gern an Stammtischen der SPD, Möllemann-verherrlichender "Liberaler" und andernorts, wo es "meistens [...] aufs Erbärmlichste stinkt".

Als langjährige KONKRET-Abonnenten wissen wir den Anspruch zu schätzen, Grenzüberschreitungen von der Polemik zur Hetze, mithin vom Kommunismus zum Faschismus Einhalt zu gebieten. Wir gehen hierbei selbstverständlich davon aus, dass KONKRET, diesem Anspruch verpflichtet, das genannte Inserat ausschließlich zu Dokumentationszwecken veröffentlicht hat.


Mark P. Haverkamp, Mannheim
Daniel Leon Schikora, München


In den Mitteilungen in eigener Sache (S. 4) im aktuellen Heft grenzt die KONKRET-Redaktion sich erfreulicherweise deutlich von den Abraham Melzers und deren Rufern ab: "Sollen Frauen niedergemacht werden, sucht die Redaktion sich dafür eine Frau. Will man mit Schwulenwitzen, die sonst nur Handelsvertreter sich trauen, bei linken Studienräten und -rätinnen absahnen, läßt man sie von Schwulen erzählen. Türken oder Muslime her- und hinzurichten, taugt keiner besser als eine Türkin oder ein Moslem. Das Nonplusultra aber ist ein Jude, der Judenwitze erzählt. Oder, ganz im Ernst, wie Moshe Zuckermann in seinem Buch 'Antisemit!' den Antisemiten die Arbeit abnimmt."

Auch in der Dezember-Ausgabe befindet sich die genannte Promedia-Anzeige, und zwar auf der gleichen Seite wie in der vorherigen (S. 17).

Dienstag, 30. November 2010

Warum ist der Datenmissbrauch okay?

Gideon Böss fragt sich, warum Deutschland den jüngsten Datenmissbrauch so klasse findet:

Zum einen bedienen sie das unstillbare Verlangen nach Klatsch und Tratsch,
weswegen der Spiegel in dieser Woche auch so etwas wie die XXL-Ausgabe der
Bunten ist und zum anderen ist es einfach ein gutes Gefühl, die USA so blamiert
zu sehen.

Das ist zwar richtig, wobei der SPIEGEL immer eine XXL-Ausgabe der Bunten ist, aber ich finde es vor allem bemerkenswert, wie enttäuscht die Antiamerikaner von den Veröffentlichungen sind.

Samstag, 20. November 2010

und es bleibt nur konkret

Sie haben ihn als "Karlchen Krause" verspottet, ihn den "letzten Stalinisten seit Enver Hoxha" genannt und in ihm immer einen "Linksextremisten" oder "Holzhammer-Kommunisten" gesehen. Er, der seit 36 Jahren eine antifaschistische Zeitschrift herausgibt, attackiert monatlich in seiner Kolumne die Verhältnisse in dieser Republik und zeigt in seinem Express das fürchterliche Denken der Lohnschreiber dieses Landes an ihrer falschen Sprache auf. "Es spricht der Vertreter der Anklage und er spricht schneidend", schrieb vor einigen Jahren Wiglaf Droste. Noch seine ärgsten Feinde können nicht unhin, ihm eine "bestechende Stilistik" zu attestieren.

Hermann L. Gremliza feiert heute seinen 70. Geburtstag. Ich hoffe, daß ihm noch viele Jahre vergönnt sind und seine Zeitschrift sich noch lange behaupten wird.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Bestzeiten

Nach neuen Bestzeiten auf Halbmarathon und 25 km sowie dem Fiasko beim Köln-Marathon 2010 werden in diesem Jahr wohl keine neuen Bestzeiten mehr folgen. Deshalb mach ich mal hiermit eine Zusammenstellung meiner bescheidenen Rekorde:

1000m 03:16 min (gelaufen im Juni 2003 im Rhein-Neckar-Stadion Mannheim)
10 km 42:38 min (gelaufen am 14.09.2003 in St. Leon-Rot)
Halbmarathon 01:37:40 h (gelaufen am 12.09.2010 in St. Leon-Rot)
25 km 02:01:16 h (gelaufen am 07.08.2010 in Bellheim)
Marathon 03:30:27 h (gelaufen am 5.10.2008 in Köln)

Auf 10 km schaffte ich am 9. November 2003 in Eppelheim eine Zeit von 41:30 min, aber leider nicht auf amtlich vermessener Strecke. Der Umfang belief sich etwa auf 9,85 km. 42er Zeiten schaffte ich damals mehrfach. Aber zu der Zeit träumte ich von den 10km unter 40 Minuten und war von all den Ergebnissen sehr enttäuscht.

Samstag, 16. Oktober 2010

Zehn Jahre Daily Dish - Lehrstück eines politischen Blogs

Vor einigen Tagen feierte Andrew Sullivan, ein Urgestein des politischen Bloggens, den zehnten Geburtstag seines Daily Dish. Das halte man sich vor Augen: zehn Jahre!!

Dieses Weblog ist ein Anschauungsbeispiel dafür, wie weit Blogs sich inzwischen entwickelt haben und wie sehr Deutschland noch ein Entwicklungsland in dieser Hinsicht ist. Der gebürtige Engländer, der in den 80ern in die USA auswanderte, bloggt mit einer unglaublichen Produktivität und inzwischen mit der Hilfe mehrer Mitarbeiter. Im Präsidentschaftswahlkampf 2008 brachte er es mehrmals auf 400 Blogposts in der Woche. Andrew Sullivan ist mit der Weiterentwicklung dieses Blogs ein Lehrstück gelungen, das bis heute zahllose amerikanische Online-Journalisten und Blogger inspiriert haben dürfte. Das Weblog liest sich mittlerweile wie ein Magazin. Dem Leser bietet sich eine hübsche Mischung aus Videos, Bildern, unzähligen Links, Lesermeinungen, Zitaten, kürzeren und längeren eigenen Erörterungen und Kommentaren. Wer einzig und allein den Daily Dish regelmäßig verfolgt, ist über die aktuell in den USA geführten Debatten weitaus besser informiert als jemand, der sich offline mit diversen Zeitungen und dem Fernsehen auf dem Laufenden hält.

Zu Sullivans politischem Profil: Geistig im Thatcherismus groß geworden, hält Sullivan sich selbst für einen libertären Konservativen, der in den letzten Jahren eine wachsende Distanz zwischen sich und der amerikanischen Rechten ausmacht, die er täglich auf seinem Blog thematisiert und auch vor vier Jahren in einem Buch verarbeitete. Sullivan ist offen homosexuell, verheiratet und setzt sich seit vielen Jahren vehement für die Homo-Ehe ein. Er unterstützte 1996 und 2000 die Republikanischen Präsidentschaftskandidaten Bob Dole und George W. Bush. Nach dem 11. September 2001 machte er sich mit noch größerem Engagement als sein Freund Christopher Hitchens für die Intervention im Irak stark. Diesen Kurs änderte er ab etwa Mitte 2004. Lustlos unterstützte er im selben Jahr John Kerry. In Bushs zweiter Amtszeit schrieb er täglich mit großem Eifer gegen die Regierung an, die in seien Augen fiskal-, verfassungs- und gesellschaftspolitisch in jeder Hinsicht das Gegenteil von "konservativ" repräsentierte. 2008 unterstützte er mit einem Enthusiasmus, der wohl selbst im Obama-besoffenen Europa ohne Vergleich gewesen sein dürfte, den Kandidaten und Hoffnungsträger der Demokratischen Partei. In diesem Zusammenhang ist aber auch festzustellen, daß Sullivan Barack Obamas politisches Potenzial sehr früh erkannte und 2007 zu den ganz wenigen gehörte, die Obama eine große Siegeswahrscheinlichkeit attestierten.

Sullivans Beiträge sind emotionsgeladen. Er bloggt impulsiv. Und vor allem seine antiisraelischen Ausfälle dürften jeden aufgeklärten Leser abstoßen. Das ändert jedoch nichts daran, daß die Geschichte seines Blogs auch zeigt, wie weit Online-Journalismus heute schon ist oder zumindest sein kann. Sullivan wird freilich für das Bloggen bezahlt. Als der Daily Dish zur Zeitschrift "The Atlantic" zog, vervielfachte er damit die Besucheranzahl der Website des Magazins. Und die Tendenz bleibt steigend. Herzlichen Glückwunsch zum zehnten Geburtstag!

Sonntag, 26. September 2010

Ronald Reagans Steuererhöhungen

Die Republikaner in den USA haben in dieser Woche ihr Programm zu den bevorstehenden Kongresswahlen vorgelegt. Dabei handelt es sich um ein weiteres Zeugnis ihrer fiskalpolitischen Unvernunft. Vorschläge zu einschneidenden Kürzungen auf der Staatsausgabenseite sind nicht zu finden.
Mit Blick auf die Einnahmenseite freilich fordern Republikaner das Einzige, was ihnen immer in den Sinn kommt: Steuersenkungen. Es gibt nichts Schlimmeres als "tax increases." Gern träumen sie von den 80ern, den Reagan-Jahren, in denen die Steuern so mutig reduziert wurden.
Bruce Bartlett, der zu Reagans fiskalpolitischen Architekten gehört, führt die Steuererhöhungen Ronald Reagans auf.

In jener Zeit sorgten Republikaner sich eben doch noch um Staatsdefizite.

Samstag, 11. September 2010

Samstag, 28. August 2010

"Nützliche" Hartzler

Nur so:

"Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, das mehr als die Hälfte aller Hartz-IV Empfänger zwischen 15-64 Jahren einer nützlichen Tätigkeit nachgeht. Sie erziehen Kinder unter 7 Jahren, kümmern sich um die Pflege von Angehörigen, arbeiten und benötigen dennoch ergänzendes Arbeitslosengeld II, bilden sich weiter oder befinden sich in einer Fördermaßnahme. Bei der Umfrage wurden mehr als 10.000 Hartz-IV Bezieher befragt.

Laut dem IAB sind nur rund 60% der Arbeitslosengeld-II-Empfänger zwischen 15 Jahren und 64 Jahren aktuell überhaupt verpflichtet nach Arbeit zu suchen. Die große Mehrheit von denen bemüht sich um einen Job. Die Erfolge sind aber relativ bescheiden. So hatten in den 4 Wochen vor der Befragung nur etwas mehr als 25% ein Vorstellungsgespräch.

Arbeitsmarkthemmnisse wie eine geringe Qualifikation, eine schlechte Gesundheit, einen Migrationshintergrund oder alleinziehend weisen mehr als 80% der Hartz-IV-Empfänger zwischen 15 Jahren und 64 Jahren auf. In Deutschland gibt es derzeit mehr als 6,5 Millionen Hartz-IV-Empfänger. Davon sind rund 5 Millionen zwischen 15 Jahren und 64 Jahren alt."

Das wird am Bild vom "faulen Hartzler", der dringend mehr "Anreize, um arbeiten zu gehen" brauche, nichts ändern. Vielleicht weil sich das in einer Gesellschaft, die "frei nach Thilo Sarrazin" Menschen von vornherein in Produktive und Unproduktive unterscheidet, auch gar nicht ändern kann.

Sarrazin in der Federal Reserve

Ein Rainer Bonhorst spinnt sich etwas über eine Abschiebung des "Tabubrechers" Thilo Sarrazin in die USA zusammen, dem Land, in dem noch Meinungsfreiheit herrscht.

Stellen wir uns Sarrazin einmal im Vorstand der Federal Reserve vor. Ein Thilo Sarrazin, der mit Reden über unproduktive Afroamerikaner von sich Reden machte. Oder über unqualifizierte lateinamerikanische und asiatische Zuwanderer. Wie wäre man dort verfahren? Richtig, man hätte Sarrazin nach dessen erstem Interview vor einem Jahr bereits umgehend mitgeteilt, dass er sich in der Zentralbank nicht mehr zu blicken lassen brauche.

(hat tip: Marco Kanne)
 
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