Wieviele Filme (Dokumentar- und Spielfime), die die Geschichte der RAF verarbeiten, sind inzwischen wohl gemacht worden?
Die Anwälte kommt in die Kinos.
(Dank an Axel Knappmeyer für den Hinweis)
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Sonntag, 15. November 2009
Donnerstag, 27. November 2008
Spirit of Mogadischu
Am kommenden Sonntag (30 November) um 20.15 Uhr sendet die ARD die neue Verfilmung der Landshut-Entführung. Ich muß freilich abermals kundtun, daß mir die zahllosen Dokumentar- und Spielfilme zum Thema RAF/Deutscher Herbst 77 seit geraumer Zeit schon auf die Nerven gehen. Dennoch sei an dies hier zum Anlaß genommen, um darauf hinzuweisen, daß
die Befreiung der Geiseln in Mogadischu durch die GSG9 der erste bewaffnete deutsche Auslandseinsatz seit 1945 war, und daß dieser 32 Jahre nach dem Holocaust dazu diente, antisemitische Terroristen zu killen, wenngleich dies freilich nicht das primäre Motiv von Ben Wisch gewesen sein dürfte.
Von dieser Geschichte sollten deutsche Kommandos auch heute inspiriert sein. Und wirklich ein Grund, "stolz" auf diesen Staat zu sein.
die Befreiung der Geiseln in Mogadischu durch die GSG9 der erste bewaffnete deutsche Auslandseinsatz seit 1945 war, und daß dieser 32 Jahre nach dem Holocaust dazu diente, antisemitische Terroristen zu killen, wenngleich dies freilich nicht das primäre Motiv von Ben Wisch gewesen sein dürfte.
Von dieser Geschichte sollten deutsche Kommandos auch heute inspiriert sein. Und wirklich ein Grund, "stolz" auf diesen Staat zu sein.
Montag, 24. November 2008
Stolz auf gewährte Gnade
Der ehemalige Staatsanwalt Heribert Prantl ist heute stolz auf diesen Rechtsstaat. Sein Kommentar zur Freilassung von Christian Klar erschien heute mittag kurz nach Bekanntgabe der gerichtlichen Anordnung:
Die Richter haben geurteilt wie es sich gehört: Ohne Zorn und Eiferei. Es wird nicht wenige Menschen geben, die für die Freilassung kein Verständnis haben. Es gibt nämlich in der Gesellschaft eine Sucht nach Strafe, die über Recht und Gesetz weit hinaus geht.
Unbestritten. Aber im nächsten Absatz kommt ein recht seltsamer Gedanke:
Aufgabe des Strafjuristen ist daher nicht nur das Einsperren, sondern auch das Aufsperren: Täter müssen eingesperrt, die Öffentlichkeit aber muss aufgesperrt werden für die Gedanken eines aufgeklärten Strafrechts; es achtet die Menschenwürde auch von verurteilten Kriminellen.
Beides ist richtig, wenn man zwischen Ein- und Aufsperren ein klares Auch setzen würde. So aber wie Prantl das formluiert, könnte man das Ein- und Aufsperren analog zueinander verstehen, d.h. der Strafjurist hat mit der von vornherein als unaufgeklärt verstandenen Öffentlichkeit in gleicher Weise zu verfahren wie mit dem Straftäter.
Und schon kommt der Schluß:
Es gibt gute Gründe, auf diesen Staat stolz zu sein. Die Geschichte der kleinen und der großen Gnade für die langjährig inhaftierten Mitglieder der RAF gehört dazu.
Wir können sicher froh sein, in einem der liberalsten Staaten dieser Welt zu leben. Zu diesem gehört das aufgeklärte Strafrecht. Aber warum will er stolz auf die Gnade gegenüber der RAF sein? Stolz, weil das Gericht ein bestehendes Prinzip bestätigt? Was bedeutete denn der umgekehrte Fall, d.h. wenn Christian Klar die Gnade bis an dessen Lebensende verweigern würde?
Die Richter haben geurteilt wie es sich gehört: Ohne Zorn und Eiferei. Es wird nicht wenige Menschen geben, die für die Freilassung kein Verständnis haben. Es gibt nämlich in der Gesellschaft eine Sucht nach Strafe, die über Recht und Gesetz weit hinaus geht.
Unbestritten. Aber im nächsten Absatz kommt ein recht seltsamer Gedanke:
Aufgabe des Strafjuristen ist daher nicht nur das Einsperren, sondern auch das Aufsperren: Täter müssen eingesperrt, die Öffentlichkeit aber muss aufgesperrt werden für die Gedanken eines aufgeklärten Strafrechts; es achtet die Menschenwürde auch von verurteilten Kriminellen.
Beides ist richtig, wenn man zwischen Ein- und Aufsperren ein klares Auch setzen würde. So aber wie Prantl das formluiert, könnte man das Ein- und Aufsperren analog zueinander verstehen, d.h. der Strafjurist hat mit der von vornherein als unaufgeklärt verstandenen Öffentlichkeit in gleicher Weise zu verfahren wie mit dem Straftäter.
Und schon kommt der Schluß:
Es gibt gute Gründe, auf diesen Staat stolz zu sein. Die Geschichte der kleinen und der großen Gnade für die langjährig inhaftierten Mitglieder der RAF gehört dazu.
Wir können sicher froh sein, in einem der liberalsten Staaten dieser Welt zu leben. Zu diesem gehört das aufgeklärte Strafrecht. Aber warum will er stolz auf die Gnade gegenüber der RAF sein? Stolz, weil das Gericht ein bestehendes Prinzip bestätigt? Was bedeutete denn der umgekehrte Fall, d.h. wenn Christian Klar die Gnade bis an dessen Lebensende verweigern würde?
Freitag, 3. Oktober 2008
Mit Frau Ensslin in der Wanne
Bleibtreu checkt null, wen er eigentlich spielt, mag er sich auch noch so sehr, wie er bei Anne Will meinte, in die Zeit eingelesen haben.
Gut getroffen sind der blutjunge Stefan Aust, der zu Beginn des Films nur kurz in Erscheinung tritt, sowie das Arschloch Klaus Rainer Röhl. Mit Bruno Ganz als Horst Herold kann ich nicht viel anfangen. Nicht seine seit vier Jahren zwangsläufige Verknüfung mit der Hitler-Rolle zerstört sein siel in diesem Film. Ganz ist um einiges älter als es Herold in den 70er Jahren war und tritt auch als alter Beamter in Erscheinung. Und die Story vom grübelnden, tiefsinnigen und unkonventionellen Mann des Staates ist nach meiner Kenntnis eine Legende.
Daß der Antisemitismus der RAF in dem Film so gut wie gar nicht vorkommt, wie auch nichtidentisches in seiner lesenswerten Kritik herausstellt, verwundert kaum. Die RAF war fester Bestandteil eines Vernichtungskrieges gegen Israel, der keineswegs erst mit der zweiten Generation beginnt. Der Film allerdings stellt sich dem Denken der RAF insgesamt gar nicht. Man hört allein Ulrike Meinhofs bekannteste Textpassagen (ihre Rechtfertigung der Aktion des Schwarzen September taucht jedoch nicht auf) immer wieder, aber nirgendwo wird das Konzept Stadtguerilla erläutert, wird auch der ansatzweise der Versuch gemacht, das Denken der Gründergeneration, das den ideologischen Background schließlich der zweiten und dritten Generation ausmachte, zu analysieren. Der Politjargon ist auf ein Minimum begrenzt. Von Diskussionen sieht man gar nichts.
Stattdessen erzählt dieser Actionfilm die Geschichte der Jahre 1967 bis 1977 auf eine unreflektierte Weise, bei der jede Bluttat untergebracht werden muß. Und so hechelt der Film im letzten Drittel des Films in einem Affentempo von einem Attentat zum nächsten. Das kann der Zuschauer nur nichtssagend finden.
Uli Krug schrieb in der vorletzten Ausgabe der Bahamas mit Blick auf die Debatte zu 30 Jahren Deutsche Herbst, wer wie die RAF, dem Volk habe dienen wollen, der habe es nicht besser verdient, als volkstümlich vermarktet zu werden. So ist es.
Die Jüngeren wissen jetzt vielleicht ein ganz klein wenig mehr über die Chronologie der Ereignisse jener Zeit. Mehr aber auch nicht.
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Freitag, 26. September 2008
Der Terror des Stefan Aust
(...)Was sollen wir von dem Buch halten, äh, von der RAF? Aust läßt uns nicht im unklaren. Unter einem der in die dritte Auflage aufgenommenen Fotos wird erklärt, was am Buback-Attentat heimtückisch war. Das Motorrad! Der Rücksitz! "Heimtückisch vom Rücksitz eines Motorrads erschossen." Die Todesschützen hat auch Aktenleser Aust nicht ermitteln können. Das ist bitter. Feiglinge sind das, keine Bekenner. "Die Todesschützen haben sich niemals zu ihrer Tat bekannt." Wo bleibt die Moral? Noch in der Schlußerklärung der Stadtguerilla-in-Form-der-RAF von 1998 findet Ermittler Aust "kein Bedauern über die Opfer der 'Stadtguerilla', keine Selbstkritik, kein Schuldgefühl". Empörend. Für einen Mann wie unseren Autor. Hatten sich doch Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin zu Herren gemacht. "Zu Herren über Leben und Tod", angetreten gegen den alten und neuen Faschismus, wobei der neue laut Aust nur "angeblich" ist. Sein Resümee: "Jetzt seien sie, die RAF-Herren, "schuldig geworden wie viele aus der Genration ihrer Väter". Bäh! Selber Nazi, diese Terroristen!(...)
- Dietrich Kuhlbrodt (konkret 10/2008, S. 27)
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Freitag, 19. September 2008
Nationalromantische Geschichtsentsorgung
Gespannt bin ich trotz allem auf den Baader-Meinhof-Komplex. Seit ich das gleichnamige Bewerbungsschreiben des Karrierejournalisten Stefan Aust vor 15 Jahren verschlungen habe, läßt mich das Thema nicht mehr los. Mag sein, daß das auch bei mir als Teenager von der Sehnsucht nach dem Ganz anderen herrührte, dem Bedürfnis, die gesellschaftliche Zwangsjacke abzustreifen, wie Stefan Blankertz vor kurzem meinte.
Gespannt bin ich trotz Heinrich Breloers Zweiteiler Todesspiel von 1997, trotz Volker Schlöndorffs fürchterlichem Schinken Die Stille nach dem Schuss (in dem immerhin Martin Wuttke mitspielt) von 2000 und trotz des furchtbaren Baader mit Frank Giering in der Hauptrolle von 2002.
Jan Schulz-Olaja , der im Unterschied zu mir den Film bereits anschauen durfte, hat im Tagesspiegel zur Filmwerbung des Nationalromantikers Schirrmacher gesagt, was zu sagen ist, und bestätigt meine Vorahnung.
Der Baader-Meinhof-Komplex dürfte jedenfalls die letzte filmische RAF-Inszenierung sein. Und gleichzeitig der Spielfilm, der dafür defintiv Sorge tragen wird, dass meine Generation und insbesondere die noch Jüngeren dieses Thema nie werden richtig einordnen können.
Gespannt bin ich trotz Heinrich Breloers Zweiteiler Todesspiel von 1997, trotz Volker Schlöndorffs fürchterlichem Schinken Die Stille nach dem Schuss (in dem immerhin Martin Wuttke mitspielt) von 2000 und trotz des furchtbaren Baader mit Frank Giering in der Hauptrolle von 2002.
Jan Schulz-Olaja , der im Unterschied zu mir den Film bereits anschauen durfte, hat im Tagesspiegel zur Filmwerbung des Nationalromantikers Schirrmacher gesagt, was zu sagen ist, und bestätigt meine Vorahnung.
Der Baader-Meinhof-Komplex dürfte jedenfalls die letzte filmische RAF-Inszenierung sein. Und gleichzeitig der Spielfilm, der dafür defintiv Sorge tragen wird, dass meine Generation und insbesondere die noch Jüngeren dieses Thema nie werden richtig einordnen können.
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Sonntag, 14. September 2008
"Ein Film über die Liebe"
Es gibt ein Kassiber von Ensslin an Baader, in dem sie „dem Kameraden“ Kinder und ein Heim verspricht. Nach der erfolgten Verurteilung wären die Gefangenen auf verschiedene Gefängnisse verlegt worden, und Baader und Ensslin hätten sich so lange nicht gesehen, wie lebenslang dauert. Diese nie ausgesprochene, weil bürgerliche Perspektive muss entsetzlich gewesen sein. Nicht Politik, die sowieso nicht mehr formuliert wurde, sondern gemeinsame Haushaltsführung war am Ende der Grund für den Terror.
Diese einander selbstzerstörerisch liebenden Menschen haben, wie der Film zeigt, eine alles entscheidende falsche Grundannahme formuliert. „Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen“, schrieb Meinhof zur Begründung des politischen Kampfes. Aber das ist selbst bürgerlicher Selbstbetrug. Die schlimmsten Feinde des Menschengeschlechts, Hitler an erster Stelle, hatten die unbegreifliche Liebe der Menschen auf ihrer Seite, sie wurden herbeigewünscht, nicht gefürchtet, und ihre Taten verübten sie oft mit der grenzenlosen Liebe ihrer Anhänger, die noch die schlimmsten Taten rechtfertigten. Diese Pathologie zu verstehen, dafür bietet Eichingers und Austs Werk eine Chance.
Frank Schirrmacher über den Spielfilm "Der Baader-Meinhof-Komplex"
Wie Eichingers neuer Film als die erfolgreiche Fortsetzung seines "Der Untergang" in den Leitartikeln gefeiert werden wird, läßt sich ganz langsam schon erahnen.
Diese einander selbstzerstörerisch liebenden Menschen haben, wie der Film zeigt, eine alles entscheidende falsche Grundannahme formuliert. „Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen“, schrieb Meinhof zur Begründung des politischen Kampfes. Aber das ist selbst bürgerlicher Selbstbetrug. Die schlimmsten Feinde des Menschengeschlechts, Hitler an erster Stelle, hatten die unbegreifliche Liebe der Menschen auf ihrer Seite, sie wurden herbeigewünscht, nicht gefürchtet, und ihre Taten verübten sie oft mit der grenzenlosen Liebe ihrer Anhänger, die noch die schlimmsten Taten rechtfertigten. Diese Pathologie zu verstehen, dafür bietet Eichingers und Austs Werk eine Chance.
Frank Schirrmacher über den Spielfilm "Der Baader-Meinhof-Komplex"
Wie Eichingers neuer Film als die erfolgreiche Fortsetzung seines "Der Untergang" in den Leitartikeln gefeiert werden wird, läßt sich ganz langsam schon erahnen.
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